Wenn Trekker und Bergsteiger im täglichen Leben an chronischen Erkrankungen leiden, kann eine Höhenexposition das Krankheitsgeschehen beeinflussen, auch wenn die betroffenen Personen im normalen Leben medikamentös gut eingestellt sind. Weiterhin ergeben sich in grossen und extremen Höhen Besonderheiten bei Schwangeren und Kindern.
Herzkrankheiten und Höhenexposition Bergsteiger, die vor Höhenexposition herzgesund waren, haben kein erhöhtes Risiko für kardiale Probleme in der Höhe. Hingegen kann sich die Symptomatik einer vorbestehenden Angina pectoris bereits ab 2500m verschlechtern und schon der Aufstieg in mittlere Höhenlagen kann bei vorher stabiler koronarer Herzkrankheit pektanginöse Beschwerden hervorrufen.
Eine medikamentös gut eingestellte arterielle Hypertonie (aHT) stellt keine Kontraindikation für das Höhenbergsteigen dar. Routinemässige medizinische Tests wie EKG oder Echokardiographie sind bei bestehender aHT hinsichtlich der Vorhersage für höhenmedizinische Probleme nicht hilfreich.
Lungenerkrankungen Asthma bronchiale wird durch Höhenlagen nicht negativ beeinflusst, diese Patienten haben auch kein grösseres Risiko für höhenassoziierte Erkrankungen. Eine COPD (Chronic obstructive pulmonary disease) kann sich jedoch durch die hypobare Hypoxie verschlechtern und die Leistungsfähigkeit der Betroffenen sinkt. Daher stellen Infekt-Exazerbationen auch eine grössere Gefahr als im Tiefland dar. Antibiotika zur frühzeitigen Therapie sollten daher immer mitgeführt werden. Ebenso wie obstruktive verschlechtern sich auch interstitielle Lungenerkrankungen (z.B. zystische Fibrose) bei Reisen in grosse Höhen.
Diabetes mellitus Höhenexposition verschlechtert einen Diabetes mellitus per se nicht. Jedoch können die Symptome einer Hypoglycämie, einer Ketoazidose oder einer Hyperosmolarität wie ein HACE imponieren. Daher müssen solche Patienten in Höhenlagen immer Glucose mit sich führen und ihre Begleiter sollten über ihre Erkrankung informiert sein sowie das Management einer Hypoglycämie beherrschen. Wegen der starken UV-Strahlung können manche Blutzuckermessgeräte in der Höhe ungenaue Messwerte angeben.$
Epilepsie Eine medikamentös gut kontrollierte Epilepsie wird sich bei Höhenexposition nicht verschlechtern. Jedoch sind die Konsequenzen eines Anfalls in abgelegenen Gebirgsregionen wie auch bei allen anderen medizinischen Problemen schwerwiegender als in urbanen Bereichen.
Schwangerschaft Da man Schwangere sowie deren Embryo/Fetus nicht bewusst einer möglichen Gefährdung aussetzen möchte, gibt es bislang nur wenig gesicherte Daten über Schwangerschaft in grossen und extremen Höhen. Untersuchungen, welche bei schwangeren Höhenbewohnerinnen durchgeführt wurden, zeigen überdies, dass deren fetale Oxygenierung Unterschiede zu Frauen im Tiefland aufweist. Die pulmonale Diffusionskapazität ist überdies höher als bei Frauen aus Gebieten unterhalb von 2500m. Dies deutet auf eine evolutionäre Adaptation hin. Kleinere Studien und die Erfahrung des Kabinendruckes in Flugzeugen belegen, dass Höhen bis 2500m keine Gefahr für eine Schwangerschaft darstellen. Bedingungen, welche die maternale Oxygenierung herabsetzen, stellen jedoch eine embryonale Gefährdung dar. Das bekannteste Beispiel hierfür ist die Entstehung von Carboxyhämoglobin (Co-Hb) durch das Rauchen, welches die Frucht nachhaltig schädigt. Neuere Untersuchungen zeigen, dass auf Höhen von 3600m durch den O2-Magel das Wachstum des Trophoblasen (embryonaler Plazenta-Anteil) gestört ist. Das Problem in grossen und extremen Höhenlagen ist indes nicht nur die hypobare Hypoxie, die bei 4000m bereits sehr deutlich ausgeprägt ist (SaO2 75-80%). Die sympathische Akutantwort des Körpers auf grosse Höhen ist ebenso eine Gefahr. Das American College of Obstetrics and Gynecology empfiehlt, dass Schwangere bei Anstrengung den Pulsschlag nicht über 140/min hochtreiben sollten. Da Schwangere einen höheren O2-Verbrauch haben, nimmt dass Herzzeitvolumen jedoch bereits physiologischerweise um 30-50% zu. Dies geschieht zum einen durch ein erhöhtes Schlagvolumen und zum anderen durch die höhere Herzfrequenz. Es kommt weiterhin zu einem Anstieg des Plasmavolumens, was zu einer Hämodilution führt. Schwangere im 1. und 2. Trimenon haben daher einen Hb-Wert um 11 g/l, im 3. Trimenon um 10.5 g/l. Die Reserve für eine sympathische Antwort auf grossen Höhen ist daher reduziert. MERKSATZ: Schwangere, die nicht aus dem Hochland stammen, sollten eine Höhe von 2500m nicht überschreiten.
Kinder und Höhe Höhenkrankheiten haben bei Kindern die gleiche Inzidenz wie bei Erwachsenen, jedoch können sich die Erkennung der Symptome und damit auch die rechtzeitige Therapie verzögern, da kleine Kinder ihre Beschwerden nicht adäquat wiedergeben können. Daher sollte bei jedem Kind, welches sich in der Höhe über 2500 m unwohl fühlt, bis zum Beweis einer anderen Genese von einer Höhenproblematik ausgegangen werden. Die Therapie ist die gleiche wie bei Erwachsenen, jedoch müssen die Medikamente gewichtsadaptiert verabreicht werden. Kinder, welche an viralen Infekten der Atemwege leiden, scheinen anfälliger für ein HAPE zu sein als gesunde Kinder. Eine subakute Form des HAPE (Symptomatic high altitude pulmonary hypertension, SHAPH), welche in der Folge zum Rechtsherzversagen führt, kommt fast ausschliesslich bei unter einjährigen Tiefland-Kindern vor, die in Höhen über 3000 m gebracht werden. MERKSATZ: Bei jedem Kind, welches sich über 2500m unwohl fühlt, sollte von einer Höhenproblematik ausgegangen werden.
Alte Menschen in Höhenlagen Alte Bergsteiger und Trekker haben kein erhöhtes Risiko für höhenassoziierte Erkrankungen, wenn sie ansonsten körperlich fit sind. Eine ausreichende Akklimatisation sollte jedoch auch hier vor grösseren Anstrengungen in der Höhe erfolgen.